Moers. Auf dem sechsten Wirtschaftsforum von Mercedes Nühlen erlebten Gäste aus Politik und Wirtschaft fesselnde Vorträge über den mühsamen Kampf der Datenschützer gegen internationale Geheimdienste und organisierte Kriminalität.

Robert Mayr ist Vorstand der Datev. Sein Unternehmen, eine eingetragene Genossenschaft, hat 40 000 Mitglieder und verwaltet die Daten von 2,5 Millionen Mittelständlern. Die Datev ist einer der größten Datendienstleister Europas. Die Sicherheitsrichtlinien dort sind so hoch, dass Mayr den Teilnehmern des sechsten Wirtschaftsforums bei Mercedes Nühlen nicht verraten will, wo das Rechenzentrum der Gruppe liegt. Nur so viel gibt Mayr preis: Das Gebäude ist in Schwarz gehalten. Schwarz deshalb, weil diese Spezialfarbe selbst den kleinsten Rest an Strahlung abfiltert, der aus dem Gebäude dringen könnte. "Da drin, so der Experte, "haben Sie absolut keinen Handy-Empfang."

Trotz 350 Besuchern war es am Montagabend in den Verkaufsräumen Nühlen zeitweise mucksmäuschenstill, als neben Mayr der Sicherheitsexperte Jan Lindner (Geschäftsführer Panda Security) und Verfassungsschützer Reinhard Vesper aufzeigten, mit welchen Mitteln Verbrecher und Geheimdienste gleichermaßen versuchen, an die Daten von Unternehmen und Privatleuten zu gelangen.

Auf die Frage, wer gefährdet ist, hatten die Experten eine ernüchtende Antwort: alle. "Jede Person wird jederzeit angegriffen, das erfolgt automatisch", stellt Vesper fest, der im Düsseldorfer Innenministerium verantwortlich für die Abwehr von Wirtschaftsspionage ist. Er schätzt, dass der durch Datenkriminalität verursachte Schaden bereits die Marke von 100 Milliarden Euro jährlich überschritten hat. Erst im Februar hatte eine internationale Bande durch das Manipulieren von Geldautomaten innerhalb kürzester Zeit eine Milliarde Euro erbeutet. Aber auch am Niederrhein haben Daten-Piraten bereits reiche Beute gemacht. Vesper erzählte von einem Unternehmen aus der Region, das 300 Millionen Euro verloren habe, da ein Mitarbeiter aus seinem sicherheitstechnisch sensiblen Bereich zur Gegenseite übergelaufen sei.

Führende Ausspähnationen, so Vesper, seien Russland und China, deren Dienste sich dankbar auf das reiche Angebot stürzten, das Netzwerke wie Facebook, Xing LinkedIn und vor allem WhatsApp bereithalten. Über WhatsApp, so Vesper, ließen sich beispielsweise spielend die kompletten Kontaktdaten eines Teilnehmers ermitteln: Für Nachrichtendienste sind das Informationen, mit deren Hilfe sich möglicherweise weitere interessanten Zielpersonen ermitteln ließen.

Doch was können Privatpersonen und Unternehmen tun, um sich zu schützen? Einige Tipps der Experten kann jeder befolgen: Etwa den, Mails nur verschlüsselt zu verschicken. Sonst, so Vesper, "können Sie den Inhalt besser auf eine Postkarte schreiben." Die auszuwerten mache mehr Mühe. Ein anderer Ratschlag: Daten nur Providern mit Rechenzentren innerhalb der EU anzuvertrauen, wo strengere Datenschutzgesetze als etwa in den USA gelten.

Für Unternehmen gibt es Dienstleister wie Jan Lindners Panda Security, die für zehn Euro pro Rechner und Monat eine permanente Überwachung der Datensicherheit versprechen. Im Verdachtsfall bietet zudem der Verfassungsschutz seine Dienste an. Und das, so Vesper, diskret und unentgeltlich. Ein Teilnehmer daraufhin: "Schön zu hören, dass Sie auf unserer Seite stehen."


Moers. IT-Unternehmer Alfred Kamper hat beim Besuch des Wirtschaftsforums im Autohaus Nühlen erkannt, dass er möglicherweise Ziel von Wirtschaftsspionage ist.

„Die Veranstaltung hat mich aufgerüttelt und mir gezeigt, dass eine Anti-Viren-Software nicht mehr reicht. Es geht um Industriespionage – und wir sind die Ziele.“ Der Moerser IT-Unternehmer Alfred Kamper war Gast beim Wirtschaftsforum im Autohaus Nühlen und hat gehandelt: Er lässt sich beim Verfassungsschutz fit machen im Kampf ge­gen Industriespionage. Kamper ist in Nord- und Südamerika, Russland, Indien und den arabischen Ländern unterwegs und hat die Gefahren erkannt.

Das Wirtschaftsforum, eine Coproduktion von Dr. Hans Nühlen und den Duisburger Steuerberatern Grüter, Hamich und Partner, war mit Dr. Robert Mayr (stellvertretender Vorstandsvorsitzender Datev), Jan Lindner (Geschäftsführer Panda Security) und Reinhard Vesper (Chef der Wirtschaftsspionageabwehr des Verfassungsschutzes) hochkarätig besetzt. Alfred Kamper: „Diese Veranstaltung hatte Hauptstadtniveau.“

Welch enorme Anstrengungen unternommen werden, um sich vor Datendiebstahl oder Infizierung durch Schadsoftware zu schützen, hatte sicher die meisten Besucher des Forums überrascht. So wurde das neue Rechenzentrum der Datev laut Dr. Robert Mayr zusätzlich zu allen anderen Sicherheitsmaßnahmen mit einem Spezialanstrich versehen, um elektronische Angriffe von außen abzuwehren.

Geschäftsverbindungen, Datenbanken, Produktionsgeheimnisse, Werbekampagnen – alles ist für Industriespione bares Geld wert. Es wurde schnell klar, dass eine Anti-Viren-Software längst nicht mehr ausreicht, um sich vor Angriffen aus dem Netz zu schützen. Reinhard Vesper hatte den Gästen des Wirtschaftsforums zudem sehr eindrucksvoll klar gemacht, dass ihre Mitarbeiter begehrte Angriffsziele ausländischer Nachrichtendienste sind.

Mitarbeiter sind Angriffsziele

„Was hat ein Vertriebsmitarbeiter auf seinem Smartphone? Vertrauliche Kundendaten“, rief Vesper in Erinnerung. Sollte der Mitarbeiter auch WhatsApp benutzen, könne man eigentlich gleich alles auf der Homepage veröffentlichen. Jedes Endgerät, sei es iPad oder Smartphone, könne infiziert sein und ein Unbefugter mithören, ob das Gerät nun ausgeschaltet sei oder nicht.

Der Chef der Spionageabwehr gab ein Beispiel, wie man sich schützen kann: Ebenso wie bei Telekom-Vorstandssitzungen sei­ bei Besprechungen des Verfassungsschutzes elektronisches Gerät jeder Art im Raum verboten – Devise: zurück zu Bleistift und Papier.

Alfred Kamper vermarktet Software, mit denen beispielsweise 80 Millionen Zeilen Programmcodes täglich geprüft werden. Das Wirtschaftsforum habe ihn sensibilisiert, sich vor Angriffen ausländischer Wirtschaftsspione zu schützen: So wandert sein Handy bei Besprechungen jetzt in eine Art mit Blei ummantelte Butterbrotdose. Dass man bei Milliarden verschickter Nachrichten pro Tag an den seinen nicht interessiert sei, warf ein Besucher auf dem Wirtschaftsforums in die Diskussion. Nicht aktuell, versetzte Vesper – aber sie würden gespeichert. Falls sein Unternehmen eines Tages Ziel von Wirtschaftsspionage werde, dienen sie zur Vorbereitung des Angriffs.


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Hans Nühlen GmbH & Co. KG

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